



.... worden und man konnte sich nicht richtig vorstellen, welche Lösungen da kommen sollten. Hinzu kommt, dass die CO2-Debatte in der Öffentlichkeit schon leicht hysterische Züge angenommen hat. Unbeachtet dessen aber sei die Druckindustrie in der Pflicht, so Heinemann, konkret etwas zu unternehmen, bevor wir dazu verdonnert würden, auf jeden Prospekt den CO2-Ausstoß zu drucken. Aus diesem Grunde habe man dem Thema eine Reihe von Vorträgen und eine Diskussionsrunde gewidmet.
Wie schon bei den letzten FDI-Podien war das Vortragsprogramm ausgerichtet auf die Weiterentwicklungen und Neuheiten der Lieferfirmen und Dienstleistungsunternehmen. Neben den Vorträgen konnten sie im Vorraum auf kleinen Ständen mit führenden Mitarbei-tern und Informationsmaterial mit den Fachbesuchern im Dialog stehen. Für viele mittelständische Hersteller bot diese kleine Ausstellung eine Plattform für Fachgespräche. die keine Fachausstellung wie die Drupa bietet. Neben den großen Druckmaschinenherstellern waren es rund 20 Firmen, die sich mit Vorträgen und Präsentationsständen beteiligten.
Gute Exportchancen.
Den Einführungsvortrag hielt Ralf Sammeck von der KBA, der als Vorstandsmitglied für Vertrieb, Marketing und Controlling der Bogenmaschinen eine »Betrachtung zur Situation am Druckmarkt« vortrug. Die Zurückhaltung der Kunden vor der Drupa habe auf der Drupa in viele Bestellungen gebracht, die nun kaufmännisch umgesetzt werden müssen. Dabei zeige sich, dass die Druckindustrie bei den Banken immer noch sehr vorsichtig beurteilt wird und sich nicht alle Kaufwünsche der Kunden finanzieren lassen. Das heisst aber nicht, dass es der Druckindustrie schlecht gehe, denn der weltweite Druckmarkt habe ein Volumen von einer Billion Euro. In Mitteleuropa und Nordamerika verbrauche jede Person durchschnittlich jährlich für 200 Euro Drucksachen, im Rest der Welt sei dies jedoch nur 3 Euro. Daraus zog er den Schluss, dass der Export in die Bric-Länder (Brasilien, Russland, Indien, China) und nachfolgenden Entwicklungsländer noch lange gute Exportchancen bieten werde.
Wertsteigerndes Drucken.
Michael Nitsche, Leiter für Technologietransfer bei manroland berichtete über das neuen Maschinenprogramm bei Bogen- und Rollenmaschinen seines Hauses. Unter dem Titel »Wertsteigerndes Drucken auf der Drupa 2008« betrachtete er die Maschinen unter dem Blickpunkt Produktions-Effizienz und Produktions-Wertigkeit. Die Produktions-Effizienz führe zu schnellerem Service und billigere Produktion, die Produktions-Wertigkeit zu besserer Qualität und anderen Printprodukten. So diene die neue Roland 50 mit dem 35 x 52 cm Format dazu, dass kleine und mittlere Akzidenzoffsetdrucker eine Maschine bekommen, welche alle Qualitätsmerkmale der großen Maschinen haben, aber gleichzeitig ein schnelles und billiges produzieren ermögliche. Damit habe man neben der Roland 500 und Roland 200 nun ein attraktives Angebot im Kleinformat.
Bei den großformatigen Maschinen habe man mit dem Format 7B plus eine nur 5% größere Bogenfläche gewählt, die dank hochstehenden A4-Seiten 20% mehr DIN A4-Seiten druckt und damit statt 40 A4 nun 48 Seiten A4 drucken kann.
Zum Thema »Besser« brachte er das Beispiel des Standardisierungstool Process Pilot, das mit einem Scanning-Spektralphotometer mit der System Brunner Software den Digitalproof, die Platte und den Druck messen, auswerten und bewerten kann, um zu zeigen, dass man innerhalb des PSO gedruckt hat.
Automatischer Workflow.
Eine Reihe von Vorträgen widmete sich der Produktion in der Druckvorstufe.
Eindrücklich war die Präsentation von Kodak, in der Antje Grüger und Beatrice Lässig mit zwei Computern die Kommunikation zwischen Kunde und Druckerei demonstrierten, um die »Workflow-Automatisierung als Basis zu erfolgreichen Geschäftsmodellen«zu zeigen. Antje Grüger zeigte, wie sie einen bereits gedruckten und archivierten Auftrag in der Druckerei dank dem Insite-Programm zu einem neuen Nachdruck-Auftrag machte. Weiterhin zeigte sie, wie eine Broschüre entworfen wird und beim Drucker automatisch eingebracht und verarbeitet wird. Dabei wurden auch die neuen Möglichkeiten des Prinergy-Workflows gezeigt und in einer dritten Demo der Druck variabler Daten auf einer Digitaldruckmaschine simuliert.
Neues Normlicht.
Michael Gall von Just Normlicht zeigte die neu entwickelten Betrachter, die statt mit Röhren mit LED-Zeilen das Licht erzeugen. Das bietet gegenüber den Röhren die Vorteile, dass LED-Dioden eine sehr lange Lebensdauer haben, sich während der Lebensdauer nicht in der Intensität oder Spektralfarbe verändern und dass das Licht aus neun verschiedenen LED-Farben exakt auf die gewünschte Lichtfarbe gesteuert und stabil gehalten werden kann. Zwar macht dies bei den gegenwärtigen Preisen der LED-Zeilen den Betrachter teurer, macht sich aber wegen der großen Stabilität und langen Lebensdauer bezahlt.
Weniger ist mehr.
Unter dem Titel »Weniger ist mehr« gab Bernd-Olaf Fiebrandt, Leiter der Abteilung Technik im Verband Druck und Medien in Baden-Württemberg e.V. den Teilnehmern im Saal eine Nachhilfelektion über den Stand der Reprotechnik von 20 Jahren. Er zeigte zwei Musterdrucke, die beide einen schwarzen Hintergrund hatten und wollte wissen, welche Fläche dunkler aussehe. Jedermann erkannt, dass dies der Druck in seiner rechten Hand war, musste aber zu seinem Staunen hören, dass dieser Druck nur 240% maximale Flächendeckung habe, während der deutlich weniger Dunkle mit 340% gedruckt war.
Das Problem war, dass der heutige Druckstandard mit dem Profil ISOcoated V2 kein UCR und ´kein GCR kennt und damit zu viel Farbe aufs Papier druckt, die zuschmiert, sich abstößt, die Farbwasserbalance stört und zu häufigem Waschen zwingt. Die viele Farbe trocknet zu langsam, man hilft sich mit kleinen Stapeln in der Auslage um langer Trocknungszeit.
Das alles kann man umgehen mit dem Device-Link-Profil, das Fiebrandt entwickelt hat und auf der Website des Verbandes gratis zum Download anbietet. Allerdings dürfte sich eine Beratung von zwei bis drei Tagen durch die Fachleute aus Kemnat lohnen, zumal die Kosten dafür überschaubar sind.
Exorzismus.
Den nach Meinung aller Zuhörer interessantesten Vortrag hielt Helena Kapp von der Franz Kapp GmbH, die sich als Exorzist des Druckfehlerteufels präsentierte. Ohne Powerpoint-Unterstützung erzählte sie, wie sie seit 20 Jahre davon leben, dass sie Auflagen retten, in denen Fehler aufgetaucht sind und eigentlich neu gedruckt werden müssten. Mit vier Koffern voll Druckmustern zeigte sie, wie sie vergessene Inhaltsverzeichnisse in Bücher oder Broschüren einfügen, mangelhafte Seiten austauschen oder in ganzen Buchauflagen Passagen unleserlich machen, gegen die eine einstweilige Verfügung erhaben wurde. Ihr Stand wurde deshalb in den Pausen mehr umlagert als alle anderen Stände. Besonders wollte man das Maybach-Buch sehen, das in der arabischen Sprache von vorne nach hinten gedruckt worden war, obwohl die Araber bekanntlich von hinten nach vorne lesen. Sie schnitten alle Seiten heraus, fügten sie in umgekehrter Reihenfolge ein so dass der Kunde meinte, das Buch sein schnell neu gedruckt worden.
Hier wie in den meisten Fällen sind es nicht nur die Kosten einer Neuauflage, welche die Kunden aus ganz Deutschland zu Kapp kommen lässt, sondern auch die Geschwindigkeit, in der der 20-köpfige Familienbetrieb solche Korrekturen ausführt.
Quint-Energieeffizienz.
Das beherrschende Thema des zweiten Nachmittags war die Erhöhung der Energieeffizienz in der Druckerei und was das alle umfasst.
Einen guten Einblick darin gab Rainer Olbert von der Quint SDI GmbH aus Hesseneck-Kailbach, der den Druckern zuerst vor Augen führte, wie viel Wärme unabgesaugt das Klima im Drucksaal verschlechtert, und mit steigender Temperatur die Leistung der Mitarbeiter sinkt. Zugleich erwärmt sich die Druckmaschine und das Feuchtwasser womit sich der Offsetdruck verschlechtert.
Die Quint GmbH bietet dafür Feuchtmittel-Aufbereitungs-Systeme, Kühl- und Temperier-Systeme, Wärme-Rückgewinnungs-Systeme, Energieeffizienz und Optimierung des Drucksaals mit Beratung und Service. Nicht nur gesetzliche und gesellschaftliche Vorgaben wie das Kyoto-Protokoll oder die Sonderprogramme der Bundesregierung seit Februar 2008 zwingen die Drucker zu Maßnahmen, sondern auch die enorm steigenden Energiepreise. Quint hat deshalb ein EPMS-System entwickelt, ein neues Anlagenkonzept aus Feuchtmittelaufbereitung und Wärmeabfuhr. Die Anlage bietet eine Umkehrosmose mit Aufhärtung, die Feuchtmittelaufbereitung, eine Reiber- und Duktorentemperierung, UV/IR-Trockner-Kühlung, die Motoren- und Gebläse-Kühlung und die Wärmerückgewinnung.
Die Einsparmöglichkeiten sind enorm. Quint hat die Anlage bei einer Druckerei mit 9 Offsetdruckwerken 70x100 plus Doppellack und UV-Weiterverarbeitung installiert, die im Jahr 2007 bereits 22 275 Euro eingespart hat. Mit den angekündigte Preiserhöhungen von bis zu 42% werden es im Jahr 2008/2009 sogar 30 072 Euro sein, was sich bei einem Anlagen preis von rund 200.000 Euro schnell amortisieren wird.
Nachhaltigkeit.
Rene Theiler, vom Verein der Schweizer Druckindustrie, VSD, kam als Projektleiter Technik und Umwelt und erzählte, was in der Schweiz läuft. Seitdem vor zwei Jahren die CO2-Emissionsabgabe in der Schweiz eingeführt wurde, haben die Offsetdruckereien den Alkoholanteil im Feuchtwasser enorm gesenkt. Seine Hauptaufgabe liegt in der Unterstützung der Druckereien bei der Erhöhung der Energie-Effizienz und Senkung der CO2-Emissionen. Seine Partner dabei sind die Winergie GmbH aus der Schweiz und ClimatePartner aus Deutschland.
Theiler berichtete, das man schon mit einfachsten Maßnahmen große Einsparungen erzielen könne. So hat eine Druckerei bei Bern allein den Primär-Energieverbrauch durch Abschalten von Belichtungsanlagen, für die Warmwasseraufbereitung und das regelmäßige Abschalten inaktiver Elektrogeräte über 100 000 Kilowattstunden eingespart, wofür sich die Investition von 23 000 Franken in 18 Monaten amortisierte.
Der VSD hat inzwischen mehr als 25 Druckereien in der Schweiz als Klimaneutrale Druckereien zertifiziert, und gleich viele warten auf die Beratung.
Komplizenschaft.
Als »Komplize von Zollikerberg« nennt sich Erwin Oberhänsli, Mitinhaber der Druckerei Feldegg in Zollikerberg bei Zürich, der erzählte, wie er seit 1989 auf das Thema des umweltfreundlichen Druckens gestoßen war. Seitdem hat ihn das Thema nicht mehr losgelassen. 1997 hat er das Umweltmanagementsystem ISO 14001 und das Qualitätsmanagementsystem ISO 9002 eingeführt. Im Jahr 2000 hat er als erster in der Schweiz die Karat 74DI installiert, die dank wasserlosem Druck kein Feuchtwasser mit Alkohol braucht und dank Kurzfarbwerk die Anlaufmakulatur auf 6-8 Bogen senkt.
Das bei der Drucksachenproduktion anfallende Treibhausgas rechnet er über ein CO2-Konto bei Climate Partner ab. Der Kunde erhält auf Wunsch ein Zertifikat und kann im Internet nachprüfen, um welches CO2-reduzierende Projekt es sich handelt.
Inzwischen sieht Erwin Oberhänsli eine Reihe verschiedener Lösungen, die klimaneutrales Drucken versprechen. Dabei sieht Oberhänsli die Gefahr, dass das das Thema »auf niedrigem Niveau breitgetreten wird«. Er ist ein absoluter Gegner von Lösungen, mit denen nur CO2 kompensiert wird, ansonsten aber keine Anstrengungen unternommen werden.
Auf der Rangliste des VSD mit den Druckereien mit der besten Energie-Effizienz steht die Druckerei Feldegg mit Vorsprung an erster Stelle. Die Schweizerische Umweltstiftung hat Erwin Oberhänsli den Unternehmer-Umweltpreis der Schweiz für 2008 verliehen, womit er für sein 20jähriges Engagement geehrt wurde.
Ablasshandel?
ClimatePartner hat seinen Hauptsitz in Deutschland und unterhält Tochtergesellschafen in Österreich, der Schweiz, Italien und den USA, Niederlassungen in Frankreich und Griechenland sowie Vertriebskooperationen in anderen außereuropäischen Ländern.
Andreas Pfeil stellte sein Unternehmen mit einer Präsentation vor, kürzte sie aber nach der Hälfte ab und sagte: »Klimaneutralität finde ich einfach langweilig, denn es ist ein Ablasshandel. Ich berate nur Kunden, die durch Klimaneutralität ihre Energiebilanz verbessern und damit die Umweltbelastung aktiv verringern! Genauso wie es Herr Oberhänsli als Druckunternehmer uns vorhin erzählt hat«.
Mit diesen vier Vorträgen war eigentlich schon alles gesagt, was es zum Thema zu sagen gab. In Fünf-Minuten-Vorträgen sprachen vier Referenten über die Bemühungen ihrer Firmen um klimaneutrales Drucken. Sie sind alle dafür.
Jörg Dreyer von Agfa Graphics führte seine prozessfreien Druckplatten als Beispiel an.
Eike Frühbrodt zeigte den 10. Nachhaltigkeitsbericht 2007/2008 von Heidelberg vor.
Vincent Krafft von manroland Select Systems wiederholte die Gründe für Klimaneutrales Drucken.
Stefan Schmidt von König + Bauer warb für das seit 2000 verfügbare BG Ökolabel.
Sie waren sich in der von Ulrich Heinemann geleiteten Diskussion einig, dass der bis heute von Bundesverband Druck und Medien vorgeschlagene Ablasshandel mit CO2-Zertifikaten zu einer Gleichmacherei der Druckereien führt, ohne dass es eine wirkliche Verbesserung der Energiebilanz gibt. Man begrüße deshalb alle angekündigten Schritte aus Wiesbaden, den vorbildlichen Aktivitäten der Schweiz zu folgen.
Kurt K. Wolf 
 Copyright: FDI-Bundesgeschäftsstelle, Sulzbachstraße 14, 66111 Saarbrücken. Letzte Aktualisierung: 19.10.2009
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