
Fachtagung. Am 6. und 7. Oktober 2006 fand im Congress-Centrum der Messe Düsseldorf das 2. bundesweite FDI-Podium statt. 220 Führungskräfte der Druckindustrie verfolgten 22 Präsentationen über Themen des Offset- und Digitaldrucks sowie spannende Prognosen über die Zukunft des Publishings.
Der Bundesvorsitzende des FDI, Horst Lafontaine, begrüßte die Teilnehmer, die aus ganz Deutschland zum FDI-Podium erschienen waren. Er sah den vollen Saal als Kompliment für das interessante Programm, das sich mehrheitlich fachlichen Themen widmete und von der Lieferindustrie in einer beeindruckenden Ausstellung begleitet wurde.
Der Offset hat Zukunft. Zehn Vorträge beschäftigten sich mit dem Offsetdruck und seiner Druckvorstufe, mit zukünftigen Entwicklungen und technischen Details.
Vor vollem Saal präsentierte Bernhard Schreier, Vorstandsvorsitzender der Heidelberger Druckmaschinen, seine Sicht über die Druckindustrie und ihre Entwicklungen. »Chancen erkennen – und sie nutzen« war der Titel seines Vortrages, und mit dem Untertitel »Mit höherer Produktivität gestärkt in die Zukunft« sagte er bereits, wie sie aus Heidelbergs Sicht zu nutzen sind.
In Asien boomen die Länder, China, Indien und die Länder in Südostasien hätten Heidelberg über das Tal nach 2001 geholfen. Die westlichen Länder hätten in den letzten anderthalb Jahren ebenfalls an Fahrt gewonnen, und die Druckindustrie würde sich weltweit entwickeln – es würde wieder mehr gedruckt. Warum sich also Sorgen machen um die Zukunft?
Heidelberg setze heute nur noch 60% von dem ab, was 1998 umgesetzt wurde! Und in zwei bis drei Jahren würden 50% der Maschinen in die Schwellenländer gehen, und damit auch deren Druckkapazität. Es sähe so aus, dass wir das einfach so hinnähmen. Auf dem Weltdruckkongress in Kapstadt hätten die Chinesen angekündigt, ihre Drucksachen nun mit voller Kraft im Westen zu verkaufen. In den USA seien die meisten Bücher inzwischen aus China. Eindeutscher Drucker habe in der Regel 44% Materialkosten, 22% Lohn-kosten und nur 2% Profit. Der chinesische Drucker habe 55% Materialkosten, nur 7% Lohnkosten und 20% Profit. Und dieser Profit werde reinvestiert.
Indien verlange 40% Einfuhrzoll auf Druckmaschinen, aber nur 5%, wenn die Drucksachen für den Export bestimmt seien. Heidelberg verkaufe jetzt jährlich 1200 Druckwerke der CD 102 nur nach China. In Deutschland merke man Asien noch nicht sehr stark als Wettbe-werber, dafür hätten wir mehr Wettbewerb aus Osteuropa.
Vor fünf Jahren noch wurden in Deutschland für 17 Mio. Euro Bücher importiert, nun seien es Bücher für 56 Mio. Euro. Diese 39 Mio. Euro fehlten der deutschen Druckindustrie.
Allerdings seien die nach Asien und Osteuropa exportierten Maschi-nen in der Regel sehr einfache Modelle, die wenig automatisiert seien. Zudem könne man wegen der großen Distanz zu Asien in China keine zeitkritischen Drucksachen für Europa drucken oder qualitativ hochwertige, weil es keine Abstimmung mit dem Kunden gäbe. Deshalb seien die Chinesen auch in den USA erfolgreicher als in Deutschland.
Dann sagte Schreier seine Meinung, wie ein Drucker auch in Zukunft erfolgreich sein könne und wählte das Merkwort FOKUS, um seine Ratschläge zu gliedern. F stehe für Flexibilität, seine Firma zu analysieren und neu auszurichten. O stehe für Opportunismus, jede Nische auszunutzen und mit maßgeschneiderten Druckmaschinen-Konfigurationen industriell zu produ-zieren. K stehe für die Kreativität, neue Produkte und Produktionswege zu suchen, um die Bedürfnisse der Kunden besser zu befriedigen. Drucken allein sei nicht mehr genug, um sich zu refinanzieren. U stünde für unternehmerisches Denken, also gewisse Risiken einzugehen, Kunden bewusst zu wählen, mehr auf den Ertrag als den Umsatz zu achten und seine Investi-tionen gut zu überdenken. Mit 2% Gewinn könne man nicht mehr aus dem Bauch heraus investieren oder große Sprünge machen. S schließlich heiße selbst-bewusst sein. Was er an Selbstbewusstsein in Südostasien erlebe, wo die Drucker zwar gute Maschinen haben, aber sehr wenig Fachkenntnisse, wie man eine gute Offsetqualität druckt, sei erstaunlich.
Ärger mit Daten.
Bernd Luts von OneVision sprach über die Flut von Daten, die Betriebe heute täglich verarbeiten müssen und die immer wieder zu Problemen führen. Auch die Hoffnung, dass mit PDF alle Fehler verhindert werden, habe sich nicht erfüllt. OneVision könne mit seiner PDF-Engine praktisch alle Datenformate in natives PDF über- nehmen und in jedem Publishing-Format wieder ausgeben. Im Speedflow Workflow würden die Daten geprüft, Fehler behoben oder, wenn das nicht möglich ist, als fehlerhaft markiert.
Vorzüge der Hybridraster.
Über die Vorzüge von Hybridraster sprach Klaus Detlef Freyer von der Heidelberger Druckmaschinen AG. Er stellte die Vor- und Nach-teile des frequenz-modulierten und autotypischen, amplitudenmodu-lierten Rasters vor. Er zeigte mit Bildern, dass der Hybridraster, bei Heidelberg Prinect Hybrid Screening genannt, die Vorteile des FM-Rasters in Licht und Tiefe mit der drucktechnischen Sicherheit des AM-Rasters verbindet und damit hoffentlich den Durchbruch bringt, der dem FM-Raster bei Heidelbergers Kunden versagt geblieben ist.
Hans-Peter Habicht,
ArtWork-System, zeigte am Beispiel des neuen Workflow „Odystar" interessante Lösungsvarianten für große wie auch kleine Druckereien auf. Das Ziel ist, den Produktionsablauf rationeller, zuverlässiger, und damit wirtschaftlicher zu gestalten
Prozesslose Platten.
Fujifilms neue Brillia HD Pro-T Offsetplatte, die erste prozesslose Platte von Fujifilm, stellte Thomas Beyer vor. Die Platte kann dank ihrer hohen Empfindlichkeit von 120 µJ/cm2 in praktisch allen Thermoplatten-belichtern bebildert werden, bedarf aber einer sorgfältigen Einführung. 50 Kunden in Europa arbeiten bereits damit, und gegenwärtig werden jeden Monat vier weitere Kunden umgestellt, eine Zahl, die bald erhöht werden soll.
Warum Standards?
Über die Standardisierung im Offsetdruck sprach Björn Fandrich von der Farbenfirma Jänicke + Schneemann. Ohne Standardisierung erfordere jeder Auftrag individuelle Einstellungen an der Druck-maschine, man verbrauche zuviel Zeit und Papier, um in Farbe zu kommen, und treffe nur selten den Proof. Allerdings erfordere die Standardisierunge eine exakte Definition der Produktions-bedingungen, der Färbungsstandards, Festlegung der Messgeräte und Messparameter und des Verbrauchsmaterials. Druckfarbe, Gummitücher und Papiere müssten beibehalten werden und könnten nicht vom Einkauf beliebig ausgetauscht werden.
Ink-Optimizer.
Wie man Druckfarben einsparen und den Offset-druckern höhere Toleranzen bieten kann, zeigte Nico Kirste von GMG mit dem Ink-Optimizer- Programm. Es errechnet aus den vierfarbig im Buntaufbau gemachten Bilddaten eine Unbuntdatei, in der CMY in den unbunten Stellen durch Schwarz kompensiert wird.
Dazu muss man allerdings die Kombination der Prozessfarben, des Papiers und der Druckparameter festlegen und ein dafür gültiges Profil erzeugen. Die mehr als 50 in Deutschland bereits damit arbeitenden Druckereien reden jedoch in der Regel nicht vom Ink-Optimizer, damit ihre Kunden nicht auf die Idee kommen, an den Einsparungen an Zeit und Druckfarbe partizipieren zu wollen.
Farbvoreinstellung.
Wie man schneller in Produktion kommt und sicher im Fortdruck bleibt, zeigte Dr. Michael Seydel von Heidelberg. Er stellte die Anwendung der adaptiven Farbvoreinstell-Kennlinien vor, welche die Farbzonen-öffnungen auf veränderte Prozessbedingungen wie Papier oder Druckfarbe einstellen. Dann zeigte er die Arbeitsweise des Prinect Inpress Control, welches die Drucke spektralfotometrisch in der Bogenoffset-maschine misst und in CMYK regelt. Ebenso erklärte erdie Einsatzmöglichkeiten der Minispots, die ohne aufwändiges Drucken einer Testform die Nachkali-brierung und Nachprofilierung bei veränderten Bedingungen ermöglichen.
Manuel Mataré,
von der Messe Düsseldorf, gab einen Überblick über den Stand der Vorbeitungen zur Drupa 2008, die vom 29. Mai bis 11. Juni 2008 stattfindet. Weltpremiere hatte ein Musikvideo mit dem DRUPA-Song. www.drupa.com
Inline-Veredelung.
Jürgen Veil von KBA sprach über die Inline-Veredelung und das Finishing in der Druckmaschine. In den Referatteilen über Heute und Morgen stellte er den bekannten Status Quo vor. Seine spannenden Ausführungen zu den Themen von übermorgen führten den Podiumsteilnehmern deutlich vor Augen, welche Innovationen in Zukunft von dem Druckmaschinenhersteller zu erwarten sind.
Kaltfolientransfer.
Über das Kaltfolientransfer-Verfahren sprach Michael Zinke von MAN Roland. Der im Etikettendruck seit Jahren bekannte Kaltfolien-transfer, im Bogenoffset seit fast 30 Jahren bekannt, wurde von MAN Roland mit dem Inline-Foiler Prindor auf der Drupa 2004 neu belebt. Rolands Kunden setzen die Technologie für Etiketten, Verpackungen von beispielsweise Süßwaren, Zigarettenverpackungen sowie im Akzidenz- und Werbedruck ein.
Digitaldruck:
Wie einsteigen? Fünf weitere Vorträge befassten sich mit Themen des Digitaldrucks. Roland Stasiczek von Océ Deutschland zeigte in einem eindrucksvollen Vortrag, wie Océ den Druckunternehmen »Erfolg mit Methode« für einen Einstieg in den Digitaldruck bietet. Es beginnt mit der Situationsanalyse einer Druckerei, aus der dann eine Strategie festgelegt wird. Mit dieser werden die angestrebten Leistungspakete für den Digitaldruck definiert, aus denen die Anforderungen an den Digitaldruck gefiltert und dann erst die technischen Lösungen für den Digitaldruck gesucht werden. Océ begleitet den potenziellen Kunden durch den gesamten Beratungsprozess, der gegen Berechnung firmen-neutral durchgeführt wird, also keineswegs mit den Kauf eines Océ-Systems endet.
Fotobücher-Druck.
Wie man Fotobücher in Auflage 1 gewinnbringend produzieren kann, zeigte Norbert Frenzel von der Infowerk AG in Nürnberg. Das Mediensystemhaus bietet in fünf Geschäftsfeldern Kreativservice, Medien-Consulting, Systementwicklung, Medien-Produktion und Digitaldruck an. Den Digitaldruck unterscheidet er vom digitalen Großformatdruck und der Logistik. Gedruckt wird im Digitaldruck auf HP-Indigo-Technologie in Offsetqualität, sagte Frenzel. Grundsätzlich erfordere der Druck variabler Daten einen sicheren Workflow mit großer Kapazität und höchster Rechnergeschwindigkeit. Grundvoraussetzung für einen finanziell erfolgreichen Druck in Auflage 1 sei der höchstmögliche Automati-
sierungsgrad für die Prüfung der ankommenden Dateien, das Ausschießen, Rippen und Drucken, aber auch die folgende Weiterverarbeitung. Sehr detailliert zeigte er den wissensbegierigen Zuhörern im Saal, wie ein Digitaldruck-Buch aus dem Druckformat A3 entsteht und welche Vielfalt an Buchformaten, Seitenstärken und Bindearten Infowerk dabei anbietet. Und schließlich will auch die Administration, Rechnungsstellung und das Inkasso automatisiert sein. Dass die Infowerk AG alle diese Softwaremodule selber entwickelt hat, dürfte den Vorsprung erzielt haben, dank dem Norbert Frenzel so freizügig über seine Produktionsdetails zu den potenziellen Wettbewerbern im Saal sprechen konnte.
Christoph Glaser, Océ,
konnte in seinem Vortrag den Teilnehmern Praxisbeispiele des konkreten Einsatzes der RFID-Technologie zeigen. In einem anschaulich gestalteten Film wurde RFID bei dem deutschen Airbuswerk in Hamburg in eindrucksvoller Weise demonstriert.
Schonend weiterverarbeiten.
Dass Digitaldrucksysteme eine schonende und angepasste Weiter-verarbeitung benötigen, brachte Michael Kipp von der Ernst Nagel GmbH ins Bewusstsein. Das 86-jährige Stuttgarter Unternehmen mit seinen 60 Mitarbeitern hat schon immer Maschinen für die Weiterverarbeitung gebaut und sich seit Jahren auf den Digitaldruck konzentriert. Kipp zeigte den Einsatz der Rill-Systeme seines Hauses, um den Falzbruch der bedruckten Papiere zu verhindern. Dabei stellte er zuerst die technische Lösung von Nagel vor, die mit einem Rillbalken in einer Rillnut arbeitet. Dann zeigte er die neuen Maschinen, wie die Auto-Rillnak 50 und die kompakte Digi-Rillnak, die Falzmaschine Docufold und die Nagel Digfold, die Rillen und Falzen in der gleichen Maschine durchführt.
Kurze Rüstzeiten.
Nicht nur die Senkung der Rüstzeiten, sondern auch die sichere Verarbeitung und leichte Bedienbarkeit stellte Friedhelm Pfeiffer von Horizon GmbH bei der Beschrei-
bung der vollautomatischen Falzmaschine AFC-556F in den Mittelpunkt. Alle Maschineneinstellungen (bis auf eine) sind elektro-motorisch zu steuern, so dass der Bediener nur das Falzschema am Bildschirm anwählen sowie das Format der Drucksachen eingeben muss. Dadurch wird die Maschine schnell und präzise eingestellt und kann in weniger als einer Minute auf andere Arbeiten umgestellt werden. Durch die elektronische Steuerung und digitale Einstellung erfüllt sie auch die Forderung des Digitaldrucks, mit Null Makulatur zu arbeiten.
Die richtige Auslage.
Palamides hat sich seit der Gründung durch Stefano Palamides 1997 in Renningen auf vollautomatische Auslagesysteme für Falzmaschinen, Sammelhefter und Druckmaschinen mit angeschlossenen Finishing-Linien spezialisiert. Jan Oldenkott, der den internationalen Vertrieb leitet, stellte die Auslagesysteme für die verschiedenen Weiterverarbeitungsmaschinen vor und zeigte damit, dass sich die Arbeitsschritte vor und nach dem Rillen, Falzen und Zusammentragen automatisieren lassen, damit rentabel gearbeitet wird.
Das richtige Licht.
Michael Gall, Geschäftsführer der Just Normlicht GmbH aus Weilheim/Teck, rief die Physiologie des Farbsehens in Erinnerung: dass wir mit den Augen sehen, die Farben im Gehirn verarbeiten, die jedoch in großem Maße von der Beleuchtung abhängig sind Eine visuelle Beurteilung von Farbdrucken setzt also zwingend eine Betrachtung unter Normlicht voraus. Die wurde mit ISO 2664:2000 definiert und bestimmt die Lichtqualität, Beleuchtungsstärke, Umgebungsbedingungen, Helligkeit sowie die Gleichmäßigkeit der Ausleuchtung. In seinen Betrachtungsgeräten werden diese Normen erfüllt und sollten deshalb überall dort eingesetzt werden, wo exakte Farbvergleiche notwendig sind, also beim Betrachten von Proofdrucken in der Reproduktion und beim Abstimmen an der Druckmaschine.
Welchem Druckverfahren gehört die Zukunft?
DD-Fachredakteur Kurt K. Wolf ging in seinem Vortrag der Frage nach, welches der drei Druckverfahren im Akzidenzdruck überleben wird. Denn so wie vor einigen Jahren einige Anbieter von Laserdruckern behaupteten, den Offsetdruck langfristig zu verdrängen, so behaup-
ten das heute einige Vertreter des Inkjetdrucks über den Laserdruck.
Der Offsetdruck hat in den letzten 15 Jahren weitestgehend den Schwarzweiß-Akzidenzdruck an den Laserdruck verloren und wird in der Kleinauflage immer öfter von Farblaserdruckern bedrängt. Flyer und Prospekte werden heute fast ausschließlich farbig gedruckt und nur noch aus Preisgründen schwarzweiß. Nur im Bücherdruck mit reinen Textinhalten ist die Farbe noch eine Ausnahme. Der Offsetdruck reagiert gegen den DI Offset mit hoch automatisierten und kleinformatigen Druckmaschinen, die dank CtP und schnellem Auftragswechsel den Offsetdruck schon in Kleinstauflagen rentabel machen. Der großformatige Offsetdruck steigert seine Produktivität mit 10-Farbenmaschinen, kurzen Rüstzeiten, automatischem Plattenwechsel undder Farbzonenregler-Voreinstellung. Schnellere Druckmaschinen drucken bis zu 18000 Bogen pro Stunde, und großformatige Druckmaschinen bis hin zur Rapida 205 machen den Offset auch in den Großauflagen zum immer noch attraktivsten Druck-
verfahren für Akzidenzdrucker.
Der Farbtonerdruck vergrößert seinen Marktanteil durch schnellere Maschinen, größere Druckformate und Schön- und Widerdruck. Kodak hat angekündigt, nach der Drupa 2008 mit einer digitalen Farbdruckmaschine im Inkjetverfahren auf den Markt zu kommen, die bis zur Auflage 10.000 preiswerter als Offset drucken wird. Ganz sicher werde Xerox nicht tatenlos zusehen, sondern das xerographische Druckverfahren ebenfalls attraktiver machen, spekulierte Wolf. Das A3-Format könne zum A1-Format vergrößert werden, mit Schön- und Widerdruck könne die Geschwindigkeit verdoppelt werden, ohne dass damit die Grenzen des Verfahrens schon erreicht würden.
Der Inkjetdruck habe sich in den letzten zwölf Jahren ganz erstaunlich entwickelt, in den meisten Fällen aber dem Offset und dem Laserdruck nicht die Märkte weggenommen, sondern neue geschaffen. Es begann mit Iris-Digitalproofer, Large-Format-Druckern bis 120 cm Breite, den Wide-Format-Druckern bis 180 cm und den Super-Wide-Format-Druckern bis 5 Metern Breite und fast unlimitierter Länge. Der digitale Flachbettdruck hat in den letzten fünf Jahren den Siebdruck in der Kleinauflage ergänzt, aber dank seiner UV-Farben völlig neue Druckmöglichkeiten auf Substrate aller Art geschaffen. Den Transaktionsdruck erobert der Inkjetdruck gegenwärtig und hat bereits Spitzenwerte von über 2000 A4 pro Minute erreicht, und im Etikettendruck setzt er sich dank Jobwechsel bei laufender Maschine für Auflagen bis zu 10.000 Laufmeter gegen den Schmalbahn-Offsetdruck durch. Dieser Kampf der drei Druckverfahren gegeneinander wird aber keines der Verfahren zum Verschwinden bringen, wohl aber die Produktionsverfahren für verschiedene Printprodukte bis zu gewissen Auflagenhöhen verändern.
Publishing im Jahr 2010.
Wenn es einen Vortrag gab, der allein die Reise nach Düsseldorf wert war, so war es der Blick in die Zukunft von Bernd Zipper.
Um zu zeigen, wie schnell die Zeit vergangen ist und in Zukunft kommen wird, blickte er auf die »heißen« Themen der Druckindustrie von 1990 bis 1995 zurück. Tatsächlich war kaum zu glauben, wie überholt die meisten der Themen waren, als damals Postscript Level 2 angekündigt wurde! Während gegenwärtig der JDF-Workflow entwickelt wird, sei Web-to-Print der bereits angelaufene Megatrend, der das Publishing nachhaltig verändern werde. Die Zeit- und Kosteneinsparungen seien immens, eine simple Drucksache, wie eine Visitenkarte, zeigte in seinem Beispiel eine Verkürzung der Produktionszeit von 130 auf 22 Minuten. Das führe dazu, dass Kunden in Zukunft ihre Druckvorlagen selber erstellen würden, ob mit oder ohne Hilfe der Drucker. Überleben werde diesen Wandel, wer seine Kunden rechtzeitig durch neue Services »verwöhnt«. Aufgrund der Bedürfnisse der Kunden werde sich der Publishing-Markt ändern. Punktgenaues Publizieren ohne Streuverluste werde immer wichtiger, mobile Informationen würden neue Märkte wachsen lassen, »Time-to-Market« entscheide in allen Branchen den Markterfolg. Massen-Online-Medien würden in Wettbewerb mit Print treten, und der Kostendruck, auch in großen Unternehmen, würde die Kunden zwingen, mehr Publishing-Aufgaben vom Drucker zu übernehmen. RFID würde immer wichtiger und auch druckbar, womit die Tags mittelfristig unter 10 Cent fallen würden.
E-Paper stehe noch in diesem Jahr vor der Einführung, und werde neue Monitore ermöglichen, aber auch die täglich neu aufladbare Zeitung.
Bis 2010 werde Web und Print von Kunden als gleichwertige Medien betrachtet, das Internet werde durch hochwertige Technologien aufgewertet.
Neue Technologien würde kosten und personalsparendes Publishing ermöglichen und das Druckereisterben bei uns seinen Höchststand erreichen
Nach vielen weiteren Detailaussagen schloss er mit dem Trost, dass es für alle Anwender, welche die moderne Technologie im Griff haben, besser werde, als sie denken. Er schloss mit dem Zitat von Peter Ustinov: »Wer auf der Stelle tritt, kann nur Sauerkraut fabrizieren.«
Virtueller Druck?
Prof. Ronald Schaul war vom FDI gebeten worden, die Frage zu beantworten, ob wir in Zukunft nur noch virtuell drucken.
Die letzten 40 Jahre des vergangenen Jahrhunderts machten diese Epoche zum Computerzeit-
alter. Jetzt bewegen wir uns ins oder bereits im Internet-Zeitalter. Dadurch wird der Schritt zur nächsten Generation von Papier möglich, das die visuelle und haptische Anmutung von Papier hat, verbunden mit unbegrenztem Speicherplatz und nützlichen Eigenschaften, die Papier nicht hat. Er analysierte dann, ob es e-Papier sein werde oder e-Newspaper oder etwas völlig neues?
Ein Blick ins Jahr 2026 zeigte ein Digital Paper Device, kurz DPD, das die Fähigkeiten der heutigen Notebooks hat, aber nur noch 680 Gramm wiegt, bei Sonnenschein und Regenwetter gelesen werden kann und auf einem 12“ Bildschirm mit einer Auflösung von 2600 x 4700 Pixel rund 450dpi Auflösung bietet. Es würde hoffentlich eine Startdauer von drei Sekunden haben, mit der Batterie 20 Stunden arbeiten und natürlich mit WLAN, als Mobiltelefon und als GPS-Gerät einsetzbar sein. Dann ging er auf die Oled-Technologie ein, auf Festkörperspeicher und den VDSL-Nachfolger mit 50 MBit pro Sekunde.
Trotzdem sah Schaul aber auch in 20 Jahren noch die Zeitung, Zeitschriften, Bücher und Werbung auf Papier. Er machte sich detaillierte Gedanken, wie die Zeitung dann aussehen müsste und wie sich das Verhältnis von gedruckter zur Online-Zeitung entwickeln würde. Auch Zeitschriften werde es dann noch geben, zielgruppengerichtet mit gedruckter Werbung. Aber es könnte sich das heutige Verhältnis von 80% gedruckter Informationen und 20% Internet-Inhalten umkehren, so dass die gedruckte Zeitschrift mehr Hinweise auf Neuheiten im Webauftritt hätte. Interessant war seine Meinung zur Entwicklung der Druckverfahren, gemäß der das Inkjet-Verfahren, die Druckgeschwindigkeit des Offsetdrucks erreichen wird und in der Qualität so gut ist, dass der Offsetdruck nicht mithalten kann. Deshalb sieht er das Verschwinden des Tonerdrucks und den Illustrationstiefdruck eventuell zum »Beilagen-Druckverfahren«. Und dies alles, obwohl der Offsetdruck mit nur fünf Minuten Einrichtzeit und einer wieder beschreibbaren Druckform bereits nach 15 Makulaturbogen in Farbe ist.
Wie der Vortrag von Bernd Zipper bot auch Ronald Schaul mit seinen Projektionen viele Denkanstöße für die Podiums-Zuhörer im Saal, welche die Entwicklung der Zukunft sehen wollten, um heute mit ihren Investitionen in die richtige Richtung zu gehen.
Kurt K. Wolf

 Copyright: FDI-Bundesgeschäftsstelle, Sulzbachstraße 14, 66111 Saarbrücken. Letzte Aktualisierung: 01.12.2006
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