
Am 18. Februar 2006 kann der Schriftsetzermeister Friedrich Sälinger auf ein hundertjähriges Leben zurückblicken. Das hohe Alter ist allein schon ein seltenes Ereignis, es ist aber wesentlich bedeutender, wenn man die damit verbundenen hohen fachlichen und künstlerischen Qualitäten des Jubilars bedenkt. Sie erlauben es durchaus von einem ebenso erfüllten wie erfolgreichen Berufsleben zu sprechen.
In Offenburg erlernte Friedrich Sälinger den Beruf des Schriftsetzers. Die ersten Berufsjahre verbrachte er als Gehilfe im Lehrbetrieb. Nach einer Wanderschaft im süddeutschen Raum kam er nach Mannheim. In einer Großdruckerei war er als Faktor und künstlerischer Leiter tätig. 1932 heiratete er. Aus dieser Ehe mit seiner Frau Leni, die 1992 verstarb, gingen zwei Töchter hervor. 1933 bestand er vor der Handwerkskammer Mannheim die Meisterprüfung und begann danach in einer Heidelberger Druckerei zu wirken, zuerst als Faktor, dann als Betriebsleiter, schließlich als Prokurist. Diesem Betrieb, der es ihm ermöglichte, sein fachliches Können immer wieder zu beweisen, blieb er bis zur Pensionierung treu.
Seinen Fähigkeiten entsprechend beanspruchten ihn viele Gremien. Jahrelang war er Mitglied des Fachausschusses und der Gehilfenprüfungskommission der Industrie- und Handelskammer Heidelberg. Er gehörte der Meisterprüfungskommission der Handwerkskammer Mannheim an und war Sachverständiger bei Gericht. Seit 85 Jahren gehört Friedrich Sälinger der Gewerkschaft (IG Druck und Papier, IG Medien, heute ver.di) an und ist damit eines der ältesten Mitglieder des DGB. Die IHK Heidelberg ehrte ihn für seine Verdienste um die Berufsausbildung des Nachwuchses seiner Branche. 1971 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz verliehen.
Von Anfang seines Berufslebens an widmete er sich der Kunst der Kalligrafie, die er meisterlich beherrscht. Es entstanden Kunstwerke wie Ehrenbürgerbriefe, Grundsteinurkunden, Meisterbriefe et cetera, alles Werke von hohem künstlerischem Rang. Stadtverwaltung, Universität, Verlage, Theater, größere und kleinere Firmen nahmen ihn in Anspruch. So schrieb er im Auftrag der Stadt Heidelberg die »Wiegenlieder« aus »Des Knaben Wunderhorn« für Königin Sylvia und Carl Gustav von Schweden zur Geburt deren Tochter Prinzessin Viktoria. Auf Friedrich Sälinger bezogen trifft zu, was Abraham a Sancta Clara (1644 – 1709) geschrieben hat: »Man kann
nicht genug loben, preisen und hervorstreichen die Nutzbarkeit des Schreibens. Ja, es ist eine der größten Gnaden, die der höchste Gott der Welt spendiert. Lass andre prahlen und prausen mit einem Federbusch auf dem Hut, aber tausendmal größeres Lob verdient die Feder in der Hand«. Dieses Zitat, lesbar gemacht vom ehemaligen Leiter des Gutenbergmuseums, Helmut Presser, trifft den Kern sowohl der Fähigkeit als auch der Bescheidenheit des Jubilars.
1950 gründete er den Heidelberger Ortsverein des Deutschen Faktorenbundes (heute FDI – Führungskräfte der Druckindustrie und Informationsverarbeitung e.V.), dem er jahrelang als Vorsitzender vorstand. Von 1962 an bis zum Ausscheiden aus dem offiziellen Berufsleben 1971 war er Vorsitzender des Landesverbandes IV im FDI, der die Länder Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Saarland umfasst. Die Beendigung des offiziellen Berufslebens nahm der Fachverband FDI zum Anlass, ihn zum Ehren-Vorsitzenden zu ernennen.
Den hundertsten Geburtstag verbringt der Jubilar im Kreise seiner Familie und Freunde in Eppelheim. Der FDI-Bezirk Heidelberg, der Landesverband IV, Kollegen und Freunde gratulieren ihm zu seinem Ehrentag recht herzlich und wünschen ihm weiterhin beste Gesundheit. S.H. 
 Copyright: FDI-Bundesgeschäftsstelle, Sulzbachstraße 14, 66111 Saarbrücken. Letzte Aktualisierung: 27.03.2006
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