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FDI-Podium war ein voller Erfolg
Fachtagung. Am 7. und 8. Oktober 2005 fand im CongressCentrum Pforzheim das 7. FDI-Podium statt, das in diesem Jahr erstmals als bundesweite Veranstaltung über die Bühne ging. Die 220 Führungskräfte der Druckindustrie aus ganz Deutschland verfolgten 19 Vorträge und Diskussionsrunden über die wichtigsten Problemkreise und nahmen viele Anregungen mit nach Hause.
DD-Fachredakteur Kurt K. Wolf hielt einen Einführungsvortrag mit dem Titel: »Das große Druckereisterben: Wer geht als nächster über die Wupper?« Die Ursache des Druckereisterbens sah er nicht nur in der schlechten Wirtschaftslage, sondern in den Folgen der Industrialisierung und der Globalisierung.
In der Druckindustrie sehe man die gleichen Entwicklungen, welche alle anderen Industrien durchlaufen haben: Großdruckereien versuchen durch Wachstum mit Kosten- und Qualitätsführerschaft profitabel zu arbeiten. Kleinbetriebe seien relativ ungefährdet, wenn sie im lokalen und regionalen Bereich sehr flexibel auf die Wünsche ihrer Kunden eingehen, besonders wenn sie mit Spezialitäten attraktiv sind. Am meisten gefährdet sieht Wolf die mittelgroßen Akzidenzdruckereien, wenn es ihnen nicht gelingt, aus der Austauschbarkeit herauszukommen und damit dem Preisdruck zu entgehen.
Die Globalisierung zeigt sich durch zunehmenden Wettbewerb aus Südostasien und China sowie aus Osteuropa. Während die Druckmaschinenhersteller sich über die Umsätze in den neuen Absatzgebieten freuen, treten diese neuen Druckereien bereits als Wettbewerber mit ungleich niedrigeren Lohnkosten als in Mitteleuropa auf. Beide Trends lassen sich nicht aufhalten, und wer überleben will, muss seine Kosten senken, produktiver arbeiten und versuchen, sich mit Spezialprodukten dem Wettbewerb zu entziehen. Genau auf diese Bedürfnisse waren die folgenden Vorträge ausgerichtet.
Gold und Silber. Peter Petzold von der Petzold Concept GmbH (Gernsheim) stellte sein EPC-Farbsystem vor, mit dem man Sonderfarben und Metallicfarben auf Gold und Silber basierend mit ISO-CMYK erzeugen und drucken kann. Ein 20-minütiger Film stellte das System detailliert vor und zeigte, wie man als Drucker seine Angebotspalette erweitern kann, wie man die Drucke produziert und über das Web bei Petzold die notwendigen Daten, Farbfächer und Farben bezieht.
Wertvolle Tipps erhielten die Zuhörer von Andreas Lang (Heidelberger Druckmaschinen) für das Finishing in der Druckmaschine. Er beschrieb, wie sich Spezialeffekte inline sicher produzieren lassen. Es gibt die vielseitige Druckveredelung im Bogenoffset mit Pigmentlacken vor dem Drucken. Metallicfarben und -Lacke, Matt- und Glanz-Variationen, Effekte auf metallisiertem Papier, Duftlacke und Lentikulareffekte. Mit einem Primer (Dispersion) kann man kratzfeste und hochglänzende Oberflächen drucken; Hybridfarben mit UV-Lackierung kombinieren die Vorteile von konventionellen und UV-Farben und Duftlacke lassen sich mit einer Druckplatte oder Lackplatte auftragen. Ebenso lassen sich Perlglanz und Metalliclacke im Druck einsetzen und mit der Metal-FX-Anwendung Silber oder Gold als Basis mit CMYK verdrucken.
Kleinformatig stanzen. Bernhard Seidl, ebenfalls von Heidelberger Druckmaschinen, zeigte, dass der Anteil an Printprodukten an den Gesamtwerbeausgaben von 52,5 % im Jahr 1990 auf 43,3 % im Jahr 2003 gefallen ist, während das Internet die größten Zuwächse verzeichnet. Kleinbetriebe sollten deshalb einen kundenorientierten Full-Service bieten, mit Prozessoptimierung die Kostenführerschaft erreichen und durch Spezialeffekte ihre Produkte einzigartig machen. Als Lösung dafür zeigte er drei Maschinentypen im Format 35 x 50 cm, die Heidelberg anbietet. Er begann mit der Printmaster GTO 52, die einen Einstieg in den Qualitätsoffset bietet, verglich sie mit der Printmaster 52, die bei besserer Auslastung profitabler arbeitet und schließlich mit der Speedmaster 52, die als »richtige Lösung für jede Anforderung« bezeichnet wurde.
Prozess-Standard Offset. Bernd-Olaf Fiebrandt hat als Leiter der Abteilung Technik im Verband Druck und Medien in Baden-Württemberg in den letzten vier Jahren einen Großteil seiner Zeit mit der Einführung des Prozess-Standard Offset (PSO) in Druckereien verbracht. In seinem Vortrag fragte er provozierend, was die Zertifizierung des PSO wirklich bringt und wies auf die vielen Fehlerquellen hin, die in den angelieferten Daten stecken können, ohne dass der Drucker sie bemerken kann. Wenn die Beschaffenheitskriterien nicht eingehalten wurden, sind die Probleme erst im Druck sichtbar. Deshalb sollte sichergestellt werden, dass die Reproduktionen nach ISO 12647-2 gefertigt wurden, die Kalibration für den Plattenbelichter korrekt ist, die richtigen Farbprofile verwendet werden und die technischen Hilfsmittel wie die Medien-, Farb- und Kontrollkeile verwendet werden. Drucken ohne Messen sei wie Autofahren im Nebel, so Fiebrandt, und nicht auf die Enddichten komme es an, sondern auf die Mitteltöne. Für das Auge sei die Graubalance am wichtigsten, und deshalb dürfen die Mitteltöne in der 40 %-Stufe höchsten 4 % in CMY auseinander liegen. Nicht nur ein Bild, sondern alle Bilder einer Druckform müssen die gleichen Separationseinstellungen haben, also gleiche Farbreproduktion, gleiche Gesamtfarbbegrenzung, gleicher Farbaufbau und gleich langes Schwarz. Es wurde deutlich, dass zu einem korrekten PSO unbedingt ein vertrauenswürdiger Vorstufenlieferant nötig ist.
JDF bringt Gewinn. In einer kritischen Analyse hinterfragte Michael Mittelhaus (Prepress Consultant) was JDF der Branche wirklich bringt. Die in der Werbung versprochene Vollvernetzung sieht er erst in zehn Jahren, denn dafür müssen die meisten Maschinen neu angeschafft oder aufgerüstet werden, zumal die JDF-Spezifikationen für Prepress, Rollendruck und Verpackung noch unfertig sind. Er zeigte die Übernahme von MIS-Daten ins Creo-System, das den Job automatisch und fehlerfrei anlegt und die Jobinformationen wie den Zeit- und Materialverbrauch automatisch ins MIS zurückmeldet. Damit entfallen bereits die Tages- und Materialzettel durch Echtzeitinformationen, die viel genauer sind. Bei der Zusammenarbeit des MIS-Systems mit den Druckmaschinen müssten die Gründe für Maschinenstillstände noch besser angegeben werden und in der Buchbinderei können neue Schneide- und Falzmaschinen die Einstelldaten übernehmen, was Eingabefehler vermeidet. Trotz dieser erst punktuellen Wirkungen von JDF rentiert sich der Schritt zum JDF-gestützten Workflow. Die Druckerei Grasl (Wien) schätzt, dass man in der Druckvorstufe durch weniger Rückfragen und mehr Produktionszeit 20 000 Euro jährlich einspart, im Druck durch kürzeres Rüsten und Nachfragen 90 000 Euro, in der Verwaltung aufgrund schnellerer Antworten bei Rückfragen des Kunden 10 000 Euro und durch schnelleren Einkauf und weniger Aufwand nochmals 20 000 Euro jährlich. Was heute noch Stückwerk sei, würde sich bei seinen Kunden in rund anderthalb Jahren amortisieren. Wer vernetzen will, müsse dies jetzt vorbereiten und bekomme mit der Vernetzung eine Jahrhundertchance.
Ebenso positiv stellte Rainer Bachthaler von Heidelberg die Arbeitsweise von JDF in der Prinect-Produktelinie vor. Am Beispiel der neuen Prinect-Vernetzung in der Druckerei Druckpunkt Berlin zeigte er, wie das MIS- System Prinect Prinance die Kalkulation, Auftragsverfolgung und Gewinnkontrolle durchführt. Geschäftsführer Harry Haker berichtete, dass er letztes Jahr kurz vor der Insolvenz gestanden sei, den Betrieb auf 30 Mitarbeiter geschrumpft habe und mit Fördermitteln in die Heidelberg-Prinect-Linie habe investieren können. JDF verdanke er die Rettung, sei heute in der Gewinnzone und habe inzwischen wieder 37 Mitarbeiter.
Farbige Zeiten. Drei Vorträge waren den Farben gewidmet. Andreas Stephan von Epson stellte die neuen Epson-Ultrachrome-K3-Tinten vor, die aus kleinen und einheitlich großen Pigmenten bestehen, die mit Harz beschichtet sind, eine bessere Graubalance ergeben und mit Schwarz in drei Grauabstufungen erhältlich sind. Dadurch erhält man bessere Schwarzdichten bis log.D 2.3 und einen deutlich größeren Farbraum als auf Farbfotopapier, was besonders Fotografen zu schätzen wissen. Die neuen Farben haben weniger Metamerie, sind nach einer halben Stunde stabil und bis zu 70 Jahren lichtecht.
Robert Dörffel von der Ink Akademie der Huber Gruppe machte den Zusammenhang zwischen hohem Glanz und schneller Trocknung deutlich, zwei sich in der Praxis widersprechende Forderungen. Glanz und Scheuerfestigkeit steigen bei langsamer Wegschlaggeschwindigkeit an, so dass schnell trocknende Bogenoffsetfarben in der Regel weniger Glanz ergeben.
Dr. Carl Epple von der gleichnamigen Druckfarbenfirma sprach über die Farbraumerweiterung mit Aniva-Farben, die im Gegensatz zu anderen Sonderfarben wie Pantone Hexachrome die gleichen Farborte in CMYK haben wie es ISO 12647-2 vorschreibt. Das bedeutet, dass man die Farben im Prozess-Standard Offset einsetzen kann und mit den gleichen Separationen arbeiten kann. Um die Möglichkeiten der Druckfarben in vollem Umfang nutzbar zu machen, werden die Bilddaten mit Aniva-Profilen separiert, entweder aus dem Lab- oder RGB-Farbraum. Man kann aber auch bereits in CMYK separierte Bilder mit Aniva-Farben drucken und erhält, gemäß der Aussage eines Anwenders im Saal in der anschließenden Diskussionsrunde, fast ebenso spektakuläre Bildumfänge. Epple Druckfarben wird noch diesen Herbst eine große Werbeaktion für die Aniva-Farben starten und dann die Separationsprofile auf der Website zum Gratis-Download anbieten.
Zukunftsstrategie Weboffset. Bernhard Maatz von Körner Rotationsdruck berichtete über das Familienunternehmen aus Sindelfingen, das sich mit 260 Mitarbeitern ganz auf den Rollenoffset und den Katalogdruck konzentriert hat. Man hat den ganzen Maschinenpark darauf ausgerichtet, arbeitet aber mit einem Netzwerk von Firmen zusammen, das aus anderen Druckereien, Vorstufenbetrieben und Logistikunternehmen besteht. Als Gütesiegel für die Produkt- und Prozessqualität hat man ein Logo und die Bezeichnung Sysprint Plus gewählt, das für »Synergie Print Medien« steht. Mit dem Qualitätsmanagement ISO 9000 und dem Prozess-Standard Offset kann man, wenn verlangt, in höchster Qualität mit FM-Raster drucken und hat in den letzten Jahren dank hoher Qualität Umsatz und Gewinn steigern können.
Moderne Drucktechnik. Jörg Dreyer von Agfa Deutschland sprach über die prozesslosen oder chemiefreien Offsetdruckplatten am Beispiel der Agfa Azzura, die außer der Belichtung keine Variablen mehr in der Produktion kennt und damit ein ideales Glied in der industriellen Produktion ist.
Den Direktantrieb bei Bogenoffsetmaschinen thematisierte Dr. Holger Wiese von MAN Roland. Den in Rollenoffsetmaschinen seit zehn Jahren üblichen Direktantrieb konnte man in Bogendruckmaschinen bisher wegen des Kollisionsrisikos nicht einführen, hat aber inzwischen eine Lösung erarbeitet. Damit kann der kleine Jobwechsel an einer Roland 706 von heute zehn auf vier Minuten verkürzt werden, was eine Einsparung von 50 000 Euro jährlich ergibt. Der große Jobwechsel, also mit Farbwechsel, wird von heute 16 auf sechs Minuten um volle zehn Minuten kürzer, was jährlich 83 000 Euro einspart. Die erste Maschine wird Anfang 2006 in den Feldtest gehen. Hans-Peter Brüstler von Grunert stellte im Auftrag von KBA die Frage: Fünf über fünf im IIIb-Format oder im doppelten Format geradeaus? In einem mit detaillierten Zahlen angereicherten Vortrag zeigte er auf, dass die Rapida 105 gegenüber der Rapida 142 schon ab 20 000 Auflage gleich teuer, bei höheren Auflagen die 142 erheblich billiger druckt. So sinkt der 1 000er-Preis bei 50 000 Auflage bereits von 108,50 Euro (Rapida 105) auf nur noch 92 Euro mit der Rapida 142. KBA sieht deshalb die Rapida 142 als ideale Ergänzung zu bestehenden Achtfarben- oder Zehnfarben-Maschinen mit Wendung.
Rettung mit Digitaldruck? Ob Digitaldruck eine Rettung für Akzidenzoffsetdrucker sei, fragte Kurt K. Wolf in einem weiteren Vortrag. Er verglich die Leistung der xerografischen Farbdrucker mit dem Offsetdruck und zeigte, dass der Digitaldruck ein reines Kleinauflagenverfahren ist, das den Offsetdruck ergänzt, aber nicht als Rettung gesehen werden kann. Dazu müsste die Druckerei Digitaldruck mit hohen Auflagen drucken, was nur mit individualisierten oder personalisierten Druckaufträgen möglich ist. Solche Aufträge machen auch bei erfolgreichen Digitaldruckern nur einen geringen Teil des Umsatzes aus.
Bertram Störch von HP Indigo sagte denn auch, wie seine Kunden ihr Geld verdienen: Indem sie die logistischen Probleme ihrer Kunden lösen, ihnen Kommunikationslösungen drucken sowie innovative Druckprodukte anbieten. Er brachte Beispiele von Mercedes und BMW, die individualisierte Bordbücher für Autos drucken, oder die Firma Jeppesen, welche die Flugbetriebshandbücher für Piloten drucken. Neben dem Direktmarketing sind neuerdings Kunden mit dem Druck von Digitalfotos für Fotobücher und Wandkalender erfolgreich.
Dass es auch für die schnellsten Digitaldruck-Rollensysteme im Schwarzweißdruck eine automatische Buchfertigungsstraße gibt, machte Dragan Volic von Müller Martini mit der Vorstellung der Sigma-Linie bekannt, die rund 1 000 Bücher pro Stunde in verschiedenen Formaten und Umfängen binden kann.
Den Abschlussvortrag hielt Prof. Ronald Schaul von der Stuttgarter Hochschule der Medien. »Drucken für die Informationsgesellschaft: Visionen, Strategien und Märkte der Zukunft« hieß der Titel seines Referats, auf das DEUTSCHER DRUCKER noch gesondert eingehen wird. Die Charts aller Vorträge können als PDF von der Website www.fdi-podium.de heruntergeladen werden.
Kurt K. Wolf |